Berg Tibrogargan

Mit unserem Einzug in den Bungalow hatte der Regenteppich auch diese Gegend erreicht. Die Wiese vor dem Bungalow wurde langsam zu einem kleinen See, aus dem die Trittsteine wie Inseln herausragten. Glücklicherweise bestand ein Hang zu einem Teich. Nach dort floss alles Wasser mit der Zeit ab. Die Temperatur fiel auf 26°C. Und in der Nacht benutzte ich zum ersten Mal auf diese Reise den Schlafanzug. Es schien sich alles gegen uns verschworen zu haben. Das Wasser aus der Dusche war eiskalt, meine Erkältung erreiche einen erneuten Höhepunkt. Doch Guido tröstete uns, dass ab morgen für mindestens drei Tage schönes Wetter sei. Diese Hoffnung zerstörte am Abend der Wetterbericht von TV ABC.

Trotzdem sind wir auch bei Regen am Nachmittag noch mit dem Auto etwas in der Gegend herumgefahren. Zumindest wollten wir eventuelle Ausflugsziele für den nächsten Tag schon mal anpeilen. Das ist eine wirkliche Urlauberoase hinter dem Bruce Hwy. Fünf Ortschaften, ausreichende Einkaufmöglichkeiten, Cafes, Restaurants, genügend Unterkünfte, einen Früchteladen, eine Auto Service Station und diese sehr ansprechende grüne bewaldetet Landschaft, aus der die Zipfelmützen der Berge herausragen.

Das ganze Gebiet ist das Ergebnis vulkanischer Tätigkeit vor 25 Millionen Jahren und der nachfolgenden Erosion. Und natürlich rankt sich um jede australische Naturbesonderheit auch eine Legende der Ureinwohner.

Glass mountain TibrogarganTibrogargan, der Vater, und Beerwah, die Mutter, hatten neun Kinder. Sie lebten in einer Gegend mal üppig, mal spärlich, und nutzten auch die Möglichkeiten des Meeres zum Leben. Eines Tages schaute der Vater wieder einmal auf das Meer und beobachtete eine riesengroße Welle. Schnell befahl er seinen Kindern, sich auf die Berge, die im  Westen lagen zu retten. Und er forderte Coonowrin, den Erstgeborenen, auf, seiner Mutter zu helfen, die schon wieder schwanger war Als er nach kurzer Zeit hinter sich schaute, sah er, wie sein Sohn sich allein zu retten versuchte. Sichtlich verärgert verfolgte er Coonowrin, hob seinen Knüppel und schlug ihn derart, dass an dessen Nacken etwas verrutschte, so dass er nicht mehr aufrecht gehen konnte. Als das Wasser wieder ins Meer floss, kehrte auch die Familie zurück in die alte Wohngegend. Die anderen Kinder neckten Coonowrin wegen seiner schiefen Haltung. Der schämte sich, ging zu seinem Vater und bat um Verzeihung. Die wollte ihm sein Vater nicht gewähren, denn er war maßlos enttäuscht über die Feigheit seines Sohnes. Er weinte. Und die Tränen tröpfelten zu Boden, wurden zu einem Bach, zu Strom und flossen in das Meer. Also ging Coonowrin zu seinen Geschwistern. Aber auch die weinten aus Scham über die Feigheit ihres Bruders. Das Wegklagen und die Trauer der Eltern und Geschwister über diese Schande erklären die zahlreichen kleinen Bäche in der Gegend. Schließlich rief sich der Vater den Sohn und fragte ihn, warum er die Mutter Tibrogargan allein gelassen hatte. Dieser meinte, die Mutter sei die Kräftigste von allen, und hätte sich durchaus allein helfen können. Zumal er nichts von der erneuten Schwangerschaft wusste, welch wohl die Ursache für ihr beträchtliches Aussehen war. Da drehte der Vater dem Sohn den Rücken zu und gelobte, ihn niemals wieder ansehen zu wollen.

Sogar noch heute starrt der Berg Tibrogargan auf die See und kehrt dem Berg Coonowrin, dessen Haupt abgeknickt ist und dessen Tränen in das Meer fließen, den Rücken zu. Die Mutter, der Berg Beerwah, ist immer noch mit 556 Meter der mächtigste unter den Mountains. Es wird wohl lange dauern, bis ein Berg einen Berg gebärt.

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte