Tal der Seen

Gleich nach der Auffahrt auf den M2 sahen wir ein Hinweisschild zum Besuch des Wivenhoe Staudamms, der 25 Kilometer nördlich lag. Wir entschlossen uns zunächst auf dem Brisbane Valley Hwy zu diesem sicherlich ingenieurtechnisch sehenswerten Damm zu fahren. Der Hwy führt jetzt als Brisbane Valley Tourist Drive zu der empfohlenen Besichtigungsroute des Flusstals nach Norden. Als erste Ortschaft nach einer ziemlich einsamen Fahrt durch ein grünes Gebiet mit Bergen und Tälern kam Fernvale. Das ist ein historischer Baumwolle- Ort, von dem seit 1884 die Produkte der Landwirtschaft im Brisbane Valley mit der Eisenbahn transportiert wurden.

Fernvale und das acht Kilometer westlich liegende Lowood sind die südliche Begrenzung des Tals der Seen (Valley of Lake). Natürlich besteht zwischen beiden Orten Zugverbindung. Lowood, früher ein Zentrum der Milchindustrie und ein Verkehrsknotenpunkt, hat seine überregionale Bedeutung mittlerweile verloren. Wir wollten aber weiter zum avisierten Wivenhoe Dam. Bis Fernvale waren wir erstaunt über die gut begrünten Wiesen, die teils bewachsenen Berge im Hintergrund. Ein wirklich grüner Landstrich mit Tälern und Hügeln. Das änderte sich aber auf den nunmehrigen 10 Kilometern bis zum Informations-Zentrum des Staudamms erheblich. Hier diese Brücke über ein Rinnsal und in nur 45 Km Luftlinie in Brisbane ist der Brisbane River bereits ein mächtiger Strom. Das Flussbett passt zum ausgetrockneten Boden. Diese Gegend entspricht den wochenlangen Temperaturen um 33° Celsius.
Der Lake Wivenhoe ist einer von vier Seen im Lake Valley, die durch die Stauung der Flüsse entstanden sind. Nämlich Lake Wivenhoe, Lake Somerset, Lake North Pine und noch der westlich von Lowood liegende Lake Atkinson.
Im Museum des Wivenhoe Dam befinden sich zahlreiche Informationen über Australien und sein Wasserproblem.

Tal der Seen - Wassereinzugsgebiet - CatchmentEigentlich könnte das Wasserangebot im trockensten Kontinent der Erde reichen, wenn man mit den Ressourcen klug und voraussehend umgehen könnte. Das hatte ich ja schon im Artikel über das artesische Becken festgestellt. Und an der Lösung des Problems arbeiten die Aussies verbissen. In intensiven Informationen wird die Bevölkerung über die Bedeutung eines solchen Wasserreservoirs aufgeklärt. Solche Gebiete gibt es in vielen Gegenden des Kontinents. Und immer wieder stellen sich die gleichen landschaftlichen Voraussetzungen. Als Catchment bezeichnet man ein Gebiet oder ein Bassin, bei dem durch Berge oder Hügel ein Reservoir gebildet wird, in das das Wasser von den Bergen wie das Wasser aus der Badewanne oder das Dachwasser über die Dachrinnen abfließen kann. Nach dem Schwerkraftprinzip geschieht dies zunächst über „unsichtbare Wasserwege“. Das sind die vielen kleinen Rinnen und Bäche, die sich im Laufe der Jahrhunderte ausgebildet haben. Bäche der 1.Ordnung werden die in den Bergen liegenden kleinen Kanäle genannt.

Das SEQ- Catchment (Süd Ost Queensland Reservoir) enthält ungefähr 16 Tausend Kilometer Wasserwege von den Bergen bis zur Moreton Bay. Und davon sind 7.500 Kilometer solche „unsichtbaren Abflüsse“. Es ist wichtig zur Vermeidung von Überschwemmungen, dass besonders die Vegetation dieser Rinnen unbeschädigt bleibt. Nur die Wurzeln der Pflanzen können das Wegschwemmen von Erde bei Regen verhindern. Und eine weitere Besonderheit der Catchments ist, dass das Wasser bei seinem Weg zum Meer, allen möglichen Unrat, abgelagerte Chemikalien, Öle, den Dünger der Rasenflächen und auch Hundekot mit sich reißt und in den Ozean transportiert.

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte