Yowie

Aber gleich hinter der Staumauer kam „The Split“. Eine Landzunge, die weit in den See hineinragt. Ein idealer Platz für BBC, Bootfahren, Angeln und auch Schwimmen. Es gibt sogar eine „Wasserverkehrsordnung“ für die Boote. Nach einer längeren Pause sind wir weiter um den See gefahren. Eine landschaftliche schöne Tour, da sanfte Hügel, weite Wiesen das Bild prägen. Ein großer Holiday Park bei Kirkleagh, wo jährlich im Oktober das größte Wettangeln in Queenland stattfindet, erlaubt den Besuch nur gegen eine Gebühr. Das wird wahrscheinlich dadurch möglich, weil man wegen der ausnahmslosen Privatgrundstücke sonst keine Möglichkeit hat, um zum Ufer des Sees zu kommen. Sehr viele Grundstücke könnte man kaufen! Bis zum nördlichen Ende des Lake Sommerset sind wir gefahren.

Der Yowie von KilcoyDer nördlichste Ort ist Kilcoy. Ein kleines und wenig attraktives Nest, auch wenn Sir Evan Mackenzie schon 1841 hier siedelte und seinen Landbesitz nach dem schottischen Familienbesitz nannte. Und da gibt es noch den Yowie. Ein sagenhaftes Lebewesen, halb Mann, halb Tier. Letztmalig 1979 von zwei Brisbaner Schuljungen angeblich gesehen. Vorher wurde allein zwischen 1975 bis 1979 von über 3000 Beobachtungen berichtet. Dass ein Ort in Down under verzweifelt nach einer Sensation für Touristen sucht? Es ist verständlich. Und Fabelwesen wie der Yeti, Big Foot, Nessi oder der Mutz im Thüringer Holzland sind dafür gut. Kein Problem. 1979 hat die Ortsverwaltung einen „Künstler“ beauftragt, nach der Beschreibung der Schüler eine Birkenholzstatue zu schaffen. Über drei Meter hoch, schokoladenbraun, mit einem überdimensionalen Penis, den die Leute hier „Yowie“ nennen. Seitdem ist es ein „beliebter Spaß“ von Menschen eines bestimmten Genres, den „Yowie“ immer wieder abzubrechen.

In Esk erinnert der Lars Anderson Park und das gleichnamige Haus an den einst größten Unternehmer der Gegend, einen Sägemühlenbesitzer, dem auch große Waldbestände und das herrliche Queensland Haus gehörten.

Der Abend in Esk neigt sich. Wir hatten noch einen Spaziergang durch den Ort unternommen. Die Hitze des Tages lässt allmählich nach. Von unserem Bungalow sehen wir den noch blauen Himmel über die kahlen Wipfel der sonst dicht bewaldeten Berge. Diese Gipfelkronen lassen den vulkanischen Ursprung erkennen. Bei dem Veteranentreffen hämmert der unermüdliche Country Musik Sänger nunmehr schon seit zwei Stunden im selben Stil und Tonfall in seine Gitarre. An die Kopfschmerzen von gestern denkend lehnen wir die freundliche Einladung wegen unserer Weiterreise am nächsten Tag dankend ab. Und wir genießen die Abendstimmung und den Sonnenuntergang auf der Veranda mit einem kühlen Victoria Bitter in der Hochburg der Four X Trinker. Gesprächsthemen gab es an diesem Abend zur Genüge. Zum einen versuchte der PM Howard die neue Kündigungsregelung im Parlament einzubringen. Er wollte die Gunst der Stunde nutzen, weil sich die Öffentlichkeit seit Tagen mit einer Steuerhinterziehung in einer öffentlichen Einrichtung stritt. Und auch in Queensland hörten wir, dass Howard eigentlich nirgendwo beliebt ist. Und das bei dem wirtschaftlichen Aufschwung während seiner Regierungszeit!

Und da war da noch die Ärzteaffäre in Bundaberg. Eine Krankenschwester hatte nach über einen Jahr seiner Tätigkeit den Mut, über die vielen Fehler des amerikanischen Chirurgen Anzeige zu erstatten. Nun kam es heraus. Der ehemalige Krankenpfleger hatte sich die Chefarztposition mit gefälschten Papieren und Referenzen erschlichen. Als jetzt viele der Geschädigten Regressforderungen stellten, wurde bekannt, dass man den falschen Doktor abgefunden und in die Staaten abgeschoben hatte. Die Volksseele kochte!

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte