The Cunnamulla Fella

Der vierte Advent stand vor der Tür. Und in der Stadt gab es ein großes Volksfest, an dem alle, wirklich alle Einwohner teilnahmen. Man hätte zu dieser Zeit in aller Ruhe irgendein Gebäude aufbrechen und ausrauben können. Auch unser Hotel war vom 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr ohne Aufsicht. Der Besitzer war mit seiner Frau zum Christmas Event. Ich weiß das deswegen, weil bei uns im Zimmer beide Bettlampenbirnen defekt waren, für die ich deshalb keinen Ersatz bekam.
Da die Aussies immer nach Beinamen für ihre Orte suchen, würde ich für Cunnamulla „Stadt der Hunde“ vorschlagen. Nur in der Kleinstadt Lebus im Land Brandenburg habe ich ein schlimmeres nächtelanges Gebell ertragen müssen.
Ich glaube schon, dass es ein regelrechtes Menschengetümmel in der Dekade 1950 bis 1960 hier gab. Die Rinder- und Schafherden, deren Preis immer höher stieg, brauchten Treiber und Hirten. Eine Unzahl jugendlicher Schulabgänger zwischen 15 und 16 Jahren sahen hier eine Jobchance. Und alle trafen sich am Kreuzungspunkt der Viehtriebe. In Cunnamulla.

Cunnamulla FellowTypisch für diese Jungen war eine damalige Modeerscheinung, nämlich sich, wo es ging, hinzusetzen, die Blechtasse in der Hand. Überall auf den Strassen von Cunnamulla saßen die „Fellas“ wie sie genant wurden. Stan Coster schrieb damals den Song „The Cunnamulla Fella“, der etwas verändert durch Slim Dusty Unsterblichkeit erlangte. Ein Bronzedenkmal erinnert an diese jungen Australier und eine unvergessliche Etappe in der Geschichte des Landes.

Trotzdem muß man solche Outback- Orte besuchen, um sich ein Bild von der Realität der Glorifizierung machen zu können. Und die Vergangenheit Australiens wird eben dort nicht immer an der Gegenwart gemessen!
Verabschieden möchte ich mich von Queensland mit einem Schild, dass wir vor manchen Hauseingangstüren gesehen haben.

Und morgen werden wir schon im Outback von NSW übernachten. Viel Legenden wurden um die Outbackstadt Bourke gewoben. „Wer Bourke nicht kennt, kennt Australien nicht“ hat einst Henry Lawson, der große australische Poet gesagt. Der Begriff „Back of Bourke“, gleichbedeutend mit „hier beginnt das Niemandsland“ wurde von den Sydneysidern mit ihren Slogan „Sydney or the bush!“ missbraucht. 118 Kilometer sind es bis zur Grenze. Weiter 133 Kilometer bis Bourke. Lassen wir uns überraschen! Wir sind gespannt.

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte