1. Mai

Es ist vielen nicht bekannt. Aber die Geburtsstunde des proletarischen Feiertages 1. Mai war 1856 in Australien.
Am 28. April gingen tausende Arbeiter in Melbourne auf die Strasse, um für einen Acht Stunden Arbeitstag zu demonstrieren. Das war eine historische Stunde. Wurde der Arbeiterschaft doch klar, welche Stärke sie in den gemeinsamen Aktionen, ob Demonstrationen oder Arbeitsniederlegungen, entwickeln können. So entstand die Idee, diesen Tag als einen proletarischen Feiertag jährlich zu begehen. 1866 folgten die Amerikaner dem australischen Beispiel. Aber noch viel entschlossener. 200 Tausend Arbeiter legten die Arbeit nieder und demonstrierten für den Acht Stunden Arbeitstag. Gleichzeitig kam die Forderung, diesen Tag zum Feiertag zu erklären. Durch Polizei und andere Repressalien verhinderte man die Anerkennung des Feiertages bis 1890. Als aber 1889 auch Europa mitzog war die Entscheidung gefallen.

Anarchisten (Unruhestifter) nannten die britisch / australischen Regierungen die Organisatoren. Und oft, wie zum Beispiel 1890 in Melbourne, kam es zu Maifeiern nur im engeren Kreis. Doch seit 1890 rumorte es unter den Arbeitern von NSW wegen der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen. So richtig ist die Gründung der der ALP (Australian Labour Party) nirgendwo dokumentiert. Aber die Partei betrachtet dieses Meeting und die Demonstrationen in Barcaldine, wo 1000 Schafscherer Verbesserungen der Arbeitsbedingungen forderten, als Gründungsversammlung der Partei. Dieses Meeting fand in der dahinter liegenden Railway Station stattfand. Ein Eisenbahngebäude, das man 1886 erst zur Eisenbahnlinie hin verschieben mußte. Daraus, nämlich die spätere „Verlegung“ der Bahnhöfe zu den Schienen, scheinen die Aussies einen Nationalsport gemacht zu haben Und als das Gebäude 1933 abbrannte entstand der heutige Neubau. Natürlich an den Schienen.

Als erster Labour Party Kandidat wurde Tommy Ryan gewählt.
Obwohl Maifeiern in Down under zwischen 1900 bis 1927 verboten waren, kam es immer wieder zu vereinzelten Aktionen. Unvergessen bleibt dabei die Demonstration 1901 in Melbourne. Zur Abschreckung hatten die „Stadtväter“ sogar prophylaktisch Särge für Unruhestifter aufstellen lassen. Doch 1500 Menschen, eine Blaskapelle, Lautsprechen und die Anwesenheit der Presse an dem Burke und Wills Denkmal verhinderten am 5. Mai das geplante Blutbad.
Eine zusätzliche kleinere Demonstration wurde von Kadetten aufgelöst. Doch wie gesagt, in Australien fing alles an.

Zurück nach Barcaldine. Das hätte der Schotte Donald Charles Cameron 1863 sicher nicht gedacht, dass „seine“ Stadt, die er nach dem Sitz seiner adligen Verwandtschaft in Barcaldine Castle Argyle (Schottland), einfach Barcaldine Downs nannte, einmal der Gründungsplatz der Arbeiterbewegung in Australien sein würde und seit 1991 ein bedeutendes Zentrum der Bewahrung der Geschichte der Australischen Arbeiter in seinen Mauern hat. Vor dem Centre befinden sich ein schöner künstlicher Teich, viel Grün und die unentbehrlichen Entfernungsangaben zu allen Metropolen der Welt.
Manchmal gaben die Siedler ihren Farmen national bezogenen Namen. So gibt es wahrscheinlich bei der Alpha, Beta und Nord Delta Farm einen Bezug zum Kreuz des Südens.

Eine ehemalige Außenstation der Betafarm (100 Km östlicher) von 1856 wurde 1985/86 nach Barcaldine „umgesetzt“. An der Ecke Bauhinia / Pine Street ist die die heutige Mad Micks Funny Farm zu besichtigen. Neben der alten Steinhütte sind auch andere historische Gebäude, wie zum Beispiel ein ehemaliges Cobb & Co Office, dem Komplex angegliedert. Sie werden als Galerien oder Ausstellungsflächen genutzt.
Hier endete also unsere Fahrt auf dem Matilda Hwy. Wir fuhren auf dem Capricorn Hwy weiter nach Osten.

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte