Min-Min Lichter

Und außerdem gibt es ja noch die geheimnisvollen Min-Min Lichter in Outback. Viele erschöpfte Reisende, die durch das Outback marschierten, erzählten früher seltsame Geschichten von sonderbar geformten Lichtern, die sie in der Ferne sahen. Manchmal schweben die Lichter geradeaus, manchmal schienen sie zu tanzen, von der einen Seite hinüber zur anderen. Mit den Jahren erhielten diese Erscheinungen den Namen Min-Min Lichter.

Einer der Reisenden schilderte, wie er einst diese merkwürdigen Lichter sah und sich entschloss, ihnen zu folgen. Er ging Stunde über Stunde hinter den Min Min Lichtern her. Bis sie plötzlich stoppten. Die Lichter drehten sich um, kamen auf ihn zu. Voller Schreck wendete er und floh, die Lichter immer noch hinter sich sehend. So erreichte er mit der Zeit eine Buschmann Siedlung im Outback. Im Pub erzählte er sein Erlebnis. Die Einheimischen hörten zu und wurden alle sehr still, als sie von seinem nächtlichen Abenteuer hörten. Alle im Raum sahen sich merkwürdig und bedeutungsvoll untereinander an. Dann erklärten sie dem Reisenden, was für ein Glück er gehabt habe. Jeder Buschmann im Outback weiß, wenn die Min- Min Lichter jemanden fangen, dann wirst du ganz einfach verschwinden.
 „DU VERSCHWINDEST“ wiederholten alle im Chor. Wer von den Touristen also die Absicht hat, durch das Outback in Queensland zu wandern, dann sollte er dies nur bei Tag tun. Und wenn man schon bei Nachte reisen musst: Halte niemals an!!

Doch es gibt natürlich auch eine wissenschaftliche Erklärung der wirklich auftretenden geheimnisvollen Lichter: Die geheimnisvollen Lichter sind seit Jahrhunderten besonders im Outback von Queensland bekannt. Die Stadt Boulia, zu der ja auch der Min- Min Hwy führt, wurde durch diese geheimnisvollen Lichter sogar berühmt. Zumal die Lichter die Reisenden scheinbar über lange Strecken verfolgen. Für kürzere Zeit haben auch wir einige Tage später diese Lichter bei einer Abendtour entlang des Matilda Hwy zwischen Cloncurry und Winton gesehen. Deuteten das aber als Trockengewitter im Outback.

Die Wissenschaftler beschäftigten sich seit Jahren mit der mysteriösen Licht-Erscheinung. Und eigentlich blieb nach Untersuchungen und Disputen nur die Erklärung, dass es sich um ein optisches Phänomen handele. Natürliches oder von Menschen verursachtes Licht wird gebrochen und analog einer Fata Morgana zehn oder sogar 100 Kilometer vom Ursprung durch Luftspiegelung sichtbar. So wird das Min-Min Licht wissenschaftlich von Professor Jack Pettigrew (Universität Brisbane) als eine Folge von Temperaturinversion erklärt. Die kältere Bodenluftschicht kann dabei das Licht weit über den Horizont hinaus transportieren. Mit einem Experiment gelang es Prof. Pettigrew selbst, ein Min-Min Licht zu erzeugen. Der Forscher fuhr des Nachts mit seinem Fahrzeug auf das rund zehn Kilometer entfernte Camp seiner Kollegen zu. Obwohl die direkte Sichtlinie durch eine Erhebung versperrt war, konnten die Menschen im Camp das Licht des ankommenden Fahrzeuges als diffusen, über dem Horizont schwebenden Schein erkennen. Per Funk verständigte sich Pettigrew mit dem Camp und schaltete das Licht an und aus. Gleichzeitig verschwand und erschien, vom Camp aus gesehen, das Min-Min Licht in der Ferne. Die ungewöhnlichen Geländeeigenschaften des betroffenen Channel Country begünstigen derartige atmosphärische Bedingungen. Und die Isolation der Gegend wirkt dann noch verstärkend auf den einzelnen Lichtstrahl.

Reisebericht über Queensland – Australien – Outback und Städte